So fing es damals an: Die erste Jagdhundeausstellung fand im Sommer des Jahres 1776 statt. Es war eher ein Treffen von Fuchsjägern, die sich außerhalb der Saison trafen. Zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es dann einige Landwirtschaftsausstellungen mit speziellen Bereichen und so auch für Hunde. Teilweise wurden immer wieder brutale Wettbewerbe mit den Hunden abgehalten, die immer mehr in die Kritik kamen und die Einstellung der Menschen änderte sich zunehmend durch diese kritischen Stimmen. Im Jahre 1834 zeigte sich erstmals die vornehme Seite des Hundesports: Die Ausstellung „Der 9 Pfund schweren Spaniels“. Als Preis gab es damals ein silbernes Sahnekännchen.
Die Hundeausstellungen wurden immer populärer und zunehmend kamen die Aussteller aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft. Aber es waren ausnahmslos Männer, die auf diesen Hundeausstellungen zugelassen wurden. Es gründeten sich die ersten Hundeclubs und das Gesicht der zuvor in Wirtshäusern abgehaltenen Veranstaltungen änderte sich erneut. Die Ausstellungen fanden nun oft in Städten statt. Auf einer Ausstellung in Islington im Jahre 1862 wurden 803 gemeldete Hunde gezeigt und im selben Jahr waren erstmals drei Damen unter den Ausstellern und Gewinnern. Der Durchbruch für die Damenwelt auf den Hundeausstellungen kam im Jahr 1867. Die Princess of Wales und spätere Königin Alexandra, stellte in diesem Jahr einen Mastiff aus. Dieser Hund belegte damals den zweiten Platz, jedoch wurde er später als der „Beste jemals ausgestellte Hund" gefeiert. Bereits drei Jahre später wurde ein Preis für „den besten von einer Frau vorgestellten Hund“ ausgeschrieben. Der Durchbruch für die Frauen war vollzogen und man begann nun immer mehr von Ihnen Notiz zu nehmen. Großbritanniens erste große „Internationale Hundeausstellung“ fand im Jahr 1863 mit einer Teilnehmerzahl von 1678 Hunden statt.
Nach der Gründung des Kennel Clubs im Jahr 1873 wurden die Ausstellungen fortan auch für einzelne Rassen organisiert. Im gleichen Jahr veröffentlichte der Kennel Club sein erstes Zuchtbuch mit den Stammbäumen von 4027 Hunden aus 40 verschiedenen Rassen. Die Gründer des Kennel Club hatten weitere reformierende Gedanken und erließen 1880 eine Vorschrift, dass bei seinen Veranstaltungen ausschließlich beim Kennel Club registrierte Hunde zugelassen werden. Heute muss man respektvoll anerkennen, dass es der Kennel Club war, der das Ausstellen von Hunden als Sport populär gemacht hat. Die bekannteste Hundeausstellung ist die „Crufts“ in England. Sie ist nach seinem Gründer Charles Cruft (geb.1852 – verst. 10.10.1938 ) benannt.
Cruft`s Weg begann in der Hundewelt, als er sich bei dem Hundefutterproduzenten James Spratt um eine Anstellung bewarb. Spratt`s Hundefutter und Zubehör sollten später in der ganzen Hundewelt berühmt werden. Der junge Charles Cruft wurde sein erster Angestellter und machte später in der Firma Karriere. Sein Beruf brachte Ihm Kontakte auch mit ausländischen Hundebesitzern. Bald wurde er Direktor der Abteilung Hundeausstellungen des mittlerweile stark gewachsenen Unternehmens „Spratt`s“. Cruft erkannte während seiner Arbeit sehr schnell, dass professionell organisierte Ausstellungen auch bessere Zuchthunde hervorbringen können.
Seine Popularität stieg weiterhin an und er wurde mit der Organisation der Pariser Hundeausstellung beauftragt. Nach seinem Austritt aus der Firma „Spratt's“ blieben die Kontakte dorthin immer erhalten und wurden freundschaftlich gepflegt. Im Jahr 1886 meldete Cruft seine erste große eigene Ausstellung noch unter dem Namen „First Great Terrier Show“ an. Ab dem Jahr 1891 nannte er sie „Cruft`s Greatest Dog Show“. Als Geschäftsführer und Direktor hatte es Charles Cruft geschafft, seine Idee von einer „Dog Show“ so zu vervollkommnen, dass diese weltweit einen sehr guten Ruf erhielt. Nicht zuletzt seine brillanten, werbewirksamen Ideen waren schuld daran, dass diese Show Ende des 19. Jahrhunderts 3.000 Anmeldungen verbuchte. Selbst die ausländischen Königshäuser wurden auf diese Veranstaltung aufmerksam. Zu den prominentesten Besuchern gehörten damals z.B. Prinz Konstantin von Oldenburg oder der Großfürst Nikolaus von Russland. Der russische Zar, ließ Barsois aus seinem eigenen Zwinger ausstellen. Jahre später, zur Jubiläumsshow im Jahre 1936 ergab die Meldezahl eine unfassbarer Höhe, es wurden 10.650 Registrierungen für diese Ausstellung vorgenommen. Es war wohl mit der größte Erfolg, den Charles Cruft in seiner Karriere bis dahin erreicht hatte. Er kann sehr wohl als „Der wirkungsvollste Pionier in der Geschichte der Hundeausstellungen“ bezeichnet werden. Charles Cruft verstarb am 10. September 1938. Drei Jahre nach seinem Tod entschied seine Witwe, die berühmte Hundeausstellung nicht weiter zu leiten. Sie bat den Kennel Club, das Erbe der Ausstellung zu übernehmen. Überschattet von den Ereignissen des zweiten Weltkrieges konnte dieses Erbe nicht sofort angetreten werden. Drei Jahre nach Kriegsende, im Oktober 1948, fand die erste Cruft`s Dog Show wieder statt. Die Organisation hatte der Kennel Club übernommen. Bis heute hat sich diese Ausstellung erhalten und gilt bei vielen Züchtern und Ausstellern als das wichtigste Ereignis in der Hundeausstellungswelt. Eine Qualifikation für die „Cruft`s“ ist die Möglichkeit ,seinen Hund unter sehr vielen vorzüglichen Hunden zeigen zu dürfen.
Der Idee des Charles Cruft folgten viele auf der ganzen Welt und haben ähnliches, kleineres oder spezielleres zu Ihrer Aufgabe gemacht und bemühen sich ebenfalls um eine sehr gute Organisation.
Heutzutage finden Ausstellungen in großen Messehallen statt oder werden als Open Air fast zu jeder Jahreszeit angeboten. Einige davon haben schon, dank der aktiven Sonderleiter, eine langjährige Tradition bekommen und finden bei vielen Ausstellern immer wieder sehr guten Anklang. Teilweise kann man es als Inhalt des Lebenswerks der Organisatoren bezeichnen und man sollte dies mit großem Respekt sowie Anerkennung danken. In vielen Rassen findet man heutzutage mehr Frauen als Männer unter den Ausstellern - so haben sich die Zeiten geändert. Nicht selten gibt es auch nach einer manchen Ausstellung lang anhaltende Diskussionen oder gar Spekulationen über eine manche Entscheidung zu den einzelnen Platzierungen. Nach unserer Meinung sollte der sportliche Gedanke auch bei den Ausstellungen nie verloren gehen und einem Richter muss man immer eine gewisse Subjektivität zubilligen können. Wer dies nicht kann, sollte sich besser einen anderen schönen Tag mit seinem Hund machen.
Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden und auch der erfolgreiche Aussteller muss mit dem Erreichten wissen, warum er dies erreicht hat. Dann kann er auch wirklich auf den Erfolg stolz sein. Ein „Champion Titel“ ist ein vorzügliches Ergebnis und sollte immer seine Anerkennung finden, aber es ist nicht alles. Hunde die immer wieder Ihre Qualität im „vorzüglichen“ oder auch im „sehr guten“ Bereich bestätigen, müssen auch ihre Anerkennung im Ausstellungsring und unter den Teilnehmern finden.
„Ein vorzüglicher Zuchthund wird immer an seinen Nachkommen bewertet werden. Denn was nützt der beste Champion einer Rasse für die Zucht, wenn er seine Qualitäten, in der Gesamtheit der zu beachtenden Merkmale der jeweiligen Rasse, an seine Nachkommen nicht weiter gibt ? “ Quelle: "Juliette Cunliffe: Hunde - Rassen, Pflege, Geschichte"
Den Gedanke, auf professionell organisierten Hundeausstellungen eine Vielzahl besserer Zuchthunde hervorzubringen und dabei ein faires sowie freundliches Miteinander im Sinne eines sportlichen Gedankens zu pflegen, sollte also auch heutzutage jeder, der eine Ausstellung besucht, mitbringen. Das ist wünschenswert, weil nur so der tiefe Sinn, den eine Ausstellung eigentlich für eine Rasse besitzt, auch erfüllt werden kann. Ich persönlich wünsche allen Ausstellern von Hunden viel Erfolg und die nötige Fairness untereinander, denn das ehrliche Ergebnis ist der wirkliche Erfolg für die Rasse und uns alle.
Fotos aus "Juliette Cunliffe: Hunde - Rassen, Pflege, Geschichte" Seite 158f